Neuerscheinung: “SAP R/3 in der japanischen Automobilindustrie”

February 10th, 2008 at 01:29pm Alexander Müller

Japan

Ich darf an dieser Stelle meinen Blog missbrauchen, um Werbung in eigener Sache, nämlich für mein neues Buch zu machen. Neben der eher theoretischen Frage, nämlich ob Abweichungen von Kompatibilitätsstandards auftreten, beschäftigt sich das Buch mit einer aus meiner Sicht sehr praxisorientierten Problemstellung, nämlich ob ein Unternehmen historisch gewachsene Abläufe aufgeben kann, um eine augenscheinlich moderne und Effizienz versprechende Softwarelösung (hier SAP R/3) als Standard einzuführen. Betrachtet werden Fallstudien aus der japanischen Automobilindustrie. Das Buch entstand aus eigenen Forschungen im Zeitraum 2003-2007. Hoffe, es stößt auf Interesse. :mrgreen:

Bibliographische Informationen

Kurzbeschreibung des Verlags

Standardisierung ist eine zentrale Aktivität in industrialisierten Gesellschaften. Dennoch werden die Prozesse der Umsetzung von Standards – und dabei besonders von Kompatibilitätsstandards – immer noch wenig verstanden und kaum theoretisch erforscht. Die Umsetzung von Kompatibilitätsstandards wird meist vereinfacht als Koordinationsspiel dargestellt, bei dem Akteure kein Interesse an einer Abweichung von der Standardspezifikation haben und sich Standards daher selbst durchsetzen. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob, inwieweit und unter welchen Bedingungen Abweichungen zu beobachten sind.

Der Autor untersucht die Implementierung des Kompatibilitätsstandards SAP R/3 in der japanischen Automobilindustrie. Empirische Grundlage sind intensive Fallstudien, überwiegend beruhend auf teilnehmender Beobachtung. Aus den Determinanten Faktorspezifität in Routinen, Macht und Sanktion und daraus resultierender Technologieakzeptanz wird ein institutioneller Erklärungsansatz hergeleitet, welcher Standardabweichungen von Kompatibilitätsstandards erklären kann. In den Fallstudien wird gezeigt, dass SAP R/3 mit komplementären Strukturen japanischer Keiretsu-Unternehmen konfligiert, die einerseits zwischen Industrie- und Arbeitsmarktorganisation, und andererseits zwischen Routinen in Produktionssystemen (dem sog. „Toyota Production System“) vorherrschen. Aus diesen Komplementaritäten resultierende Faktorspezifität und Machtstrukturen führen sowohl zu einer Vermeidung von SAP R/3 – der „klassische Fall von Pfadabhängigkeit – als auch zu einer intensiven Anpassung der Standardsoftware, mit dem Ergebnis von Standardabweichungen auch bei Kompatibilitätsstandards. Dieses wird besonders im Bereich der Produktionsplanung deutlich, wo SAP R/3 und dessen inhärente MRP-Funktionen auf spezifische materialflussorientierte Kanban-Routinen treffen.

Die Arbeit versteht sich als ein Beitrag zur stärkeren Verzahnung der Neuen Institutionenökonomik in sektorspezifische betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Gleichzeitig wird eine Integration von sozialwissenschaftlichen Ansätzen zur Technologierezeption in die ökonomische Forschung zu Standards angestrebt.

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2 Comments Add your own

  • 1. Martin Seibert  |  February 11th, 2008 at 11:01 pm

    Cool! Ich erblasse vor Neid und beglückwünsche Dich hier noch einmal offiziell.

    Lieber Japan-Doktor Müller. Sie sind ein Genie! Und Sie können programmieren! :-)

    Dein Buch kaufe ich natürlich nicht, weil ich eine Handsignierung wünsche!

  • 2. Silke  |  March 7th, 2008 at 8:43 pm

    Herzlichen Glueckwunsch, Alex!
    Werde unserer Bibliothek die Anschaffung empfehlen, meistens machen die das dann auch!
    Gruesse nach Japan aus der japanischsten Stadt in Deutschland
    Silke

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