Betrachtungen deutscher Exporte nach Japan: Export Performance
July 29th, 2007 at 06:21pm Alexander Müller

Geringe Wachstumsraten deutscher Exporte nach Japan
Deutschland ist Exportland. Die Exporte wachsen insgesamt in 2007 um 8 Prozent und 2008 um 9 Prozent. Im Jahre 2008 wird Deutschland zum ersten Mal über eine Billion an Gütern und Dienstleistungen exportieren. Hohe Wachstumsraten erzielen Deutschlands Exporte im Handel mit Schwellenländern wie China, Indien und Russland. Das Wachstum der Exporte nach Japan ist mit ca. 2 (2007) bis 5,5 Prozent (2008) jedoch bestenfalls mittelmäßig.
Weit unter dem Durchschnitt werden sich die deutschen Exporte mit Japan entwickeln. Bei Wachstumsraten von 2 % in 2007 und 5,5 % in 2008 scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Indien Position zwei in der Rangfolge als Ausfuhrpartner Deutschlands in Asien eingenommen haben wird (Quelle).
Welche Aussagekraft hat ein geringes Exportwachstum Deutschlands nach Japan? Bedeuten die niedrigen Wachstumsraten, dass deutsche Produkte in Japan nicht mehr gefragt sind und deutsche Unternehmen dort an Wettbewerbsfähigkeit verlieren? Oder liegt es nur daran, dass die Wirtschaft in Indien und China einfach nur vergleichsweise schneller wächst?
Anteile deutscher Unternehmen am Export nach Japan fast gleichbleibend
Betrachten wir dazu die Anteile deutscher Exporte an den Exporten anderer Länder nach Japan. Denn die alleinige Betrachtung der Exportzahlen Deutschlands nach Japan gibt keine Auskunft darüber, wie sich in Japan der Anteil der Importe aus Deutschland an den Gesamtimporten entwickelt hat; also ob der „Marktanteil” der deutschen Warenexporte gestiegen oder gesunken ist. Hierfür wird ein Indikator verwendet, den das Statistische Bundesamt “Export-Performance” nennt.
Zwischen 1995 und 2004 schwankte der Export Performance Index von Deutschland im Handel mit Japan zwischen 105 und 85. 2004, das letzte Jahr der Messung, lag er bei 92, was durchaus keinen schlechter Wert darstellt - der Anteil deutscher Importe an den Gesamtimporten nimmt nur unwesentlich im Vergleich zu anderen Importeuren ab. Das ist bei China übrigens auch der Fall (EPI für China in 2004: 85). Ausreißer sind die Russische Föderation (176) oder Spanien (121) (Quelle).
Gründe für Veränderungen in der Export Performance
Der Export Performance Index verändert sich - oft auch kurzfristig - abhängig von externen Einflussfaktoren und spiegelt nicht notwendigerweise die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wider. Dass die deutschen Exporte mit Japan nur gering wachsen, heißt damit nicht automatisch, dass dort die Produkte deutscher Unternehmen in Japan nicht mehr gefragt sind. Der deutsche Export-Performance-Index ist bspw. über einen längeren Zeitraum hinweg mit keinem der 25 größten Partnerländer (zu denen auch Japan gehört) konstant angestiegen oder gefallen. Vor allem im Zeitraum 1998 bis 2000 waren bspw. die Export-Performance-Indizes mit nahezu allen Ländern rückläufig. Im Zeitraum 2000 bis 2003 hingegen nahmen die deutsche Export-Performance-Indizes mit fast allen Ländern zu, was einem Gewinn von Marktanteilen in diesen Ländern gleichkommt.
Warum verändert sich der Performance Index kurzfristig? Der starke Rückgang bspw. zwischen 1995 und 1997 in fast allen Partnerländern könnte man auf die stark gestiegenen Rohölpreise zurückführen. Die Nachfrage nach Rohöl ist wenig preiselastisch. Ein Preisanstieg dieses Rohstoffs führt deshalb zu einer wertmäßigen Anteilszunahme an den Gesamtimporten unserer Partnerländer zu Lasten anderer Importgüter. Da Deutschland kein relevanter Erdölexporteur ist, führt eine solche Verschiebung zu einem Rückgang der deutschen Export-Performance. Dieser Zusammenhang zeigt, dass die Export-Performance nicht immer unbedingt die deutsche Wettbewerbsfähigkeit widerspiegelt, sondern auch durch externe Faktoren beeinflusst ist.
Mögliche Gründe für sinkende Export-Wachstumsraten
Augenblicklich dürfte für der starke Euro den größten Faktor für die leicht gesunkene deutsche Export-Performance in Japan ausmachen. Daneben gibt es eine Reihe von Faktoren im Exportland selbst, wobei folgende besonders denkbar wären:
- Tertiärisierung der japanischen Industrie (obwohl bspw. der Importanteil bei ausländischen Automobilen in Japan zunimmt und damit deutsche Exporte steigen, so verschiebt sich die Ökonomie insgesamt in den dritten Sektor, Dienstleistungen).
- Gestiegener Anteile von Importen halbfertiger Güter in japanischen Produktionsnetzwerken in Südostasien.
Darüber hinaus gibt es auch Gründe, die im Verhalten deutscher Unternehmer begründet liegen:
- Psychologischer Fokus auf China und Indien (”Schwellenländer-Hype”).
- Japan wird als anspruchsvoller Markt mit hohem Sättigungsgrad zunehmend links liegen gelassen. Davon wird die DIHKJ sicher ein Lied singen können.
Die oben angeführten “unterdurchschnittlichen Wachstumsraten” (2-5,5%) sind nichtsdestotrotz positive absolute Wachstumsraten. Dass das mit anderen asiatischen Ländern relativ ein schlechtes Bild zeichnet, liegt einfach nur am hohen Wachstum in diesen Gebieten. Japan ist ein hoch entwickeltes Land, in dem deutsche Unternehmen noch großes Potential haben. Die Wachstumsraten der Exporte könnten größer sein - jedoch nehmen sie im Verhältnis zu anderen Exportländern nicht ab: die nur leicht sinkende Export Performance zeigt, dass kaum Marktanteile verloren gehen.
Referenzen und Quellen
- “Export 2007, 2008; DIHK-Studie zu den Exporten Deutschlands
- Statistisches Bundesamt: Export Performance Index
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