Google Trends
May 16th, 2006 at 01:45am Alexander Müller

Ich habe mich bislang sehr zurückgehalten, wenn es um die Meldungen von Google ging. Kaum bringt das Unternehmen etwas neues auf den Markt - mag es noch so unausgegoren oder banal sein - die Presse feiert es hoch. Allerdings habe ich diese Woche etwas gezeigt bekommen, was mich wirklich beeindruckt hat: Google Trends
Ich bin mir sicher, dass kalyxo darüber auch demnächst bloggen wird (ätsch, erster!) - denn das Tool hat wirklich Potential, die (Online-)Marketingforschung zu bereichern. Wie der Name “Trends” schon andeutet, befasst sich Google Trends mit neuen Auffassungen in Gesellschaft, Wirtschaft oder Technologie, die neue Bewegungen auslösen und in ihrer Grundtendenz statistisch erfassbar sind.
Auf den ersten Blick sieht die Website so aus wie Google: ein einfacher Suchschlitz, in den man Wörter eingeben kann. Füttert man die Suchmaschine mit Wörtern - bspw. mit “Steuerreform” - dann erhält man einen Graphen, in dem angezeigt wird, wie oft bei Google nach diesem Begriff gesucht wurde. Da Google in vielen Ländern (bspw. Deutschland) eine Fast-Monopolstellung bei Suchmaschinen hat, ist das schon fast aussagekräftig und gibt wider, was die Bevölkerung beschäftigt. Das lässt das Herz jedes Trendforschers höher schlagen. Aber auch für beinahe jeden, der sich mit Marketing beschäftigt, dürfte Google Trends sehr nützlich sein. Dass sich mittlerweile keiner mehr für Steuerreform interessiert, dürfte aber auch ohne dieses Tool klar gewesen sein.
Gibt man Suchwörter mit Komma getrennt ein, so kann man mehrere Begriffe miteinander vergleichen. Das ist eine interessante Funktion, bspw. um Interesse an konkurrierenden Produkten zu untersuchen. Im unteren Chart bekommt man darüber hinaus angezeigt, wie hoch das Nachrichtenaufkommen in Google News zu dem betreffenden Begriff war: damit lässt sich leider keine Kausalität untersuchen, aber zumindest bekommt man eine grobe Ahnung, worüber gerade diskutiert wurde.
Einige beispielhafte Suchen:
- “peace, war”
Leider ist Erde nun einmal kein friedlicher Ort - Krieg liegt weit vorne. Australier und US-Amerikaner suchen am meisten danach, während Kanadier eher nach “peace” suchen. Gibt das eine Grundeinstellung wider?
- “mohammed, jesus”
Womit einmal wieder bewiesen wurde, dass es keine schlechte Publicity gibt…
- “skype, google talk”
Auch wenn die Messaging- und VoIP-Software “Google Talk” kurzzeitig hochgekocht wurde, so hat doch Skype nach dem Hype um Google Talk eindeutig die Nase vorn. Nicht alle Google-Coups haben das Kaliber von Google Trends…
- “japan, china”
Japanologen, ich sage es nicht gerne, aber die Kluft zwischen China- und Japan-Interessierten weitet sich aus - zugunsten China.
- “fifa world cup”
Südafrikaner und Malayen suchen am meisten danach. Liegt wohl daran, dass sie nicht dabei sind…
- “mercedes, bmw”
Gibt den Trend auf dem Automobilmarkt wider: selbst mit Alternativen wie “benz” oder “daimlerchrysler” sieht es für die Stuttgarter nicht besser aus.
- “oxford, cambridge”
Das Kopf-an-Kopf-Rennen wird nicht nur beim Rudern, sondern auch im Internet ausgetragen. Und wenn man auf die Städtenamen schaut, dann merkt man auch, dass es in beiden Unistädten jede Menge “Egogoogler” gibt.
- “sekt, selters”
Mainzer wollen eher Sekt, Koblenzer eher Selters…
- “weapons of mass destruction”
Besonders interessant ist hier der Einfluss der Nachrichten (rechte Spalte beobachten).
- “google, yahoo”
Ob das Google wurmt, dass mehr Leute bei Google nach Yahoo suchen? Hehehe…
- “tsunami”
Die Welt vergisst schnell
Es wird deutlich, dass Google Trens ein nettes Spielzeug ist - für einige nützlich, für viele aber auch nur ein Spielzeug, mit dem man eine Menge Zeit totschlagen kann. Oder, wie der Guardian treffend beschreibt:
[Google Trends] should be useful to search engine optimisers, and people in advertising and marketing, who will be able to compare brands over time. For the rest of us, it’s just amusing to compare, say, the ipod with the xbox, or blu-ray and hd dvd, or aac, wma, and ogg vorbis, and so on. Quelle: Guardian Blog
Google Trends hat - wenn auch die Interpretation der Ergebnisse manchmal problematisch ist (bspw. bei gleicher Syntax von Suchwörtern - wurde jetzt nach “Kohl”-Gemüse gesucht, oder nach “Kohl”-Ex-Bundeskanzler?) - das Potential, beinahe jede PPT-Präsentation um ca. 15 Minuten zu verlängern. Schnell einige Charts rauskopiert und die Zuhörer damit beschäftigt.
Dieser Beitrag gehört zu den Kategorien off-topic, Produktivität und ihm wurden die Keywords google, trends, technologie, marketing, wirtschaft, statistik, suchmaschine zugeordnet (Tag-Wolke anzeigen).
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2 Comments Add your own
1. Kalyxo denkt » Goog&hellip | May 16th, 2006 at 8:04 pm
[…] Präsentationen mit Banalitäten verlängern Das war der mit Abstand beste und treffendste Kommentar von Alexander Müller, der sagte: “Mit Google Trends kann künftig jeder Berater und Marketing-Stratege seine Präsentationen ausdehnen.” Google liefert mit diesem Werkzeug tatsächlich eine Art “Alibi-Studie” für alle, die keine richtigen Zahlen gefunden haben oder suchen wollen. […]
2. Kalyxo | May 16th, 2006 at 8:05 pm
Mein Artikel war eigentlich schon am Sonntag fertig. Ich habe ihn aus “publikationstaktischen Gründen” aber zurückgehalten. Insofern “ätsch” zurück.
Hier findet sich mein Artikel.
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