Digitale Universität: MIT Open Courseware
May 8th, 2006 at 05:22am Alexander Müller

Mit der digitalen Bereitstellung von Vorlesungsunterlagen haben die Universitäten ein Paradies für Autodidakten geschaffen. Das bisher größte mir bekannte Archiv für frei verfügbare Vorlesungen und Seminare stellt die Open Courseware des Massachusetts Institute of Technology (MIT) dar.
Auch wenn einige der Kurse für einen Einstieg in die Materie evtl. ungeeignet sind (insbesondere die ingenieurwissenschaftlichen wie bspw. “16.13 Aerodynamics of Viscous Fluids” oder “18.996 / 16.399 Random Matrix Theory and Its Applications,“), so bieten sich doch interessante Perspektiven für Fortbildungswillige.
Mein persönlicher Favorit: die gesamte Kursbibliothek der Sloan School of Management, die zu den Eliteuniversitäten betriebswirtschaftlicher Ausbildung zählt. Dabei sind viele interessante Kurse, die auch zur Standard-MBA-Ausbildung zählen. Wer also nicht zigtausend Dollar für das Vorkäuen im Unterricht berappen möchte, kann sich ja die Dokumente auch einfach zuhause ansehen. Den Titel gibts zwar dafür nicht, aber dafür auch hin und wieder die Erkenntnis, dass an den Eliteschmieden auch nur mit Wasser gekocht wird.
Zu jedem Kurs sind Reading Lists (zu deutsch: Lektürekanon), Lecture Notes (Vorlesungsaufzeichnungen) und Assignments (Aufgaben) hinterlegt. Da vorwiegend aus amerikanischen Standardwerken (Harvard University Press und Co.) zitiert wird, dürfte die Literaturbeschaffung keine unüberwindbare Hürde darstellen für diejenigen, die sich in der Nähe einer gutsortierten Bibliothek aufhalten. Interessant sind die Lecture Notes, die fast ausnahmslos als PDF hinterlegt sind. Assignments eignen sich gut als Selbstests oder gar für die innerbetriebliche Ausbildung.
Es sei angemerkt, dass die Lecture Notes teilweise grottenschlecht sind. Insbesondere in meinem Fachgebiet Japan hat das MIT eigentlich nichts, was beeindruckt. Die Lecture Notes zum Kurs “21F.037 Japanese Popular Culture” sehen so aus, als ob sie in 2 Minuten von einem Powerpoint-Unkundigen erstellt wurden - der Inhalt überzeugt auch nicht.
Was allerdings wirklich beeindruckt, sind die Japanisch-Kurse. Das MIT bietet insgesamt 5 Kurse verschiedener Schwierigkeitsstufen an. Im Kurs “21F.501 Beginning Japanese I” hat das MIT sogar Online-Trainingsmöglichkeiten für Kanji (sinojapanische Schriftzeichen), Katakana und Hiragana (japanische Silbenalphabete) zugänglich gemacht. Ich wünschte, ich hätte solche Tools in meinem Studium gehabt…
Wer braucht da noch Gasthörerscheine?
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2 Comments Add your own
1. Kalyxo | May 8th, 2006 at 4:22 pm
Hallo!
Ich werde zeitnah zu diesem Thema auch noch etwas bloggen. Dir liegt in diesem Zusammenhang auch schon eine Präsentation vor, die ich Dir gerne zur Verfügung stellen werde.
Ciao
Martin
2. humancompiler | May 9th, 2006 at 2:15 am
Mal zum Thema Tools: Das MIT hat ein javabasiertes API für die Kreation von Lernapplikationen und Visualisierung als freiverfügbare Entwicklungsplattform ins Internet gestellt:
http://www.processing.org/
Bisher am ausgereiftesten fand ich das Demovideo zum Projekt “Fluss der Zahlen” bei Art+Com ( www.artcom.de ).
Grüßens
Ingmar
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