Snowboarding in Japan
February 15th, 2006 at 07:28pm Alexander Müller

Wenn Europäer an Japan denken, dann ist wohl die Vorstellung eines Snowboardparadieses nicht darunter. Bevor jetzt unterstellt wird, dass ich missionieren möchte, gebe ich einfach mal die Meinung eines Schweizer Freundes wieder, der bestätigte, dass die Schneequalität in Japan oft besser ist als auf den europäischen Haupt-Skigebieten. Und das von einem Schweizer!
Dass Japan mit einer Vielzahl von Skigebieten aufwarten kann, wurde wohl erst mit den olympischen Winterspielen in Nagano (1998) so richtig weltweit bekannt. In Japan selbst hat der Ski- und Snowboardboom eine längere Geschichte. In den 70er und 80er Jahren war Skifahren bspw. so beliebt, dass überall (sogar auf dem Fuji-san) Pisten erbaut wurden - oft unter Inkaufnahme von Schäden in der Natur. Mittlerweile ist der Boom wieder abgeflacht und der großen Zahl von Skigebieten stehen nun nicht mehr ganz so viele Fahrer gegenüber, so dass man selbst an einem Wochenende gute Chancen hat, weite Strecken der Gelände nur für sich allein zu haben.
Wie organisiert man am besten eine Snowboardreise in Japan?
1) Eigenes Auto/Mietwagen
Von Tokyo aus kommt man mit dem eigenen Wagen relativ schnell nach Niigata oder Nagano. Man muss beachten, dass man zwischendurch Schneeketten auflegen muss. Autobahngebühren bis nach Niigata bspw. können sich sehen lassen: mit einem Minimum von 4.800 Yen ist man dabei (one-way). Dafür ist man in seiner Routenplanung nicht eingeschränkt.

2) Bustour
In Japan gibt es ein ungeheuer großes Angebot an Skitouren in allen Variationen. Start am Freitag Abend mit Übernachtung im Reisebus für diejenigen mit wenig Zeit am Wochenende, bis hin zur einwöchigen Tour. Startpunkte sind die Bahnhöfe Shinjuku, Ikebukuro oder Tokyo, bis zu den Skigebieten in Niigata (Yuzawa) oder Nagano (Shiga Kogen Hochebene) dauert es etwa 5h. Bei Übernachtfahrten natürlich etwas länger, weil die Busfahrer sich Zeit lassen, um pünktlich zum Morgengrauen im Skigebiet anzukommen. Preislich gesehen gibt es die Billiganbieter für etwa 15.000 Yen, wo zwei Übernachtungen (einmal im Reisebus, einmal im Ryokan oder Pension) und Liftpass für zwei Tage enthalten sind. Selbst wenn man sich selbst alles zusammenstellt, kommt man so wohl kaum kostengünstiger weg. Und die Tour garantiert (abgesehen von manchmal unpraktischen Busabfahrzeiten) ein effizient für Skifahren genutztes Wochenende. Japaner haben halt keine Zeit! Skiurlaub für 2 Wochen - in Europa nichts ungewöhnliches - wird hier kaum praktiziert: es gibt sogar eine ganze Reihe von Angeboten (ab ca. 8.000 Yen) für Tagestouren (Start morgens um 6, Rückkunft ca. 22 Uhr)… purer Stress.

3) Flugzeug
Wer die richtig großen und komfortablen Skigebiete ansteuern will, der sollte mit dem Gedanken spielen, mit dem Flugzeug nach Hokkaido zu fahren. ANA und JAL haben manchmal (insbesondere abseits der japanischen Feiertage) günstige Angebote für Flug und Hotel. Ab Chitose Flughafen in Sapporo muss man meist noch kurz mit dem Zug fahren, so dass es sich lohnt, Snowboardsachen (oder Skiausrüstung) per Paketlieferdienst zu senden (Kosten one-way etwa 1.300-2.000 Yen).
Skigebiete-Empfehlungen
Meine Lieblings-Skigebiete in Japan sind Ishiuchi-Maruyama (in Yuzawa, riesig groß, 6 km Abfahrt, viele versteckte Strecken für Snowboarder, einfach per Shinkansen erreichbar), Togari (kleines, aber feines Skigebiet mit günstigen Angeboten, guter Schnee, ein Geheimtip!), Hakuba Happo-one (anspruchsvolles Skigebiet, teilweise für Snowboarder etwas schwer, aber Skifahrer kommen auf ihre Kosten). Die Seite www.snowjapan.com bietet einen guten Überblick über die japanischen Skigebiete. Statistische Daten (Anzahl der Lifts, Länge der Pisten, Schwierigkeitsgrade) werden durch Wettervorhersagen und Reviews von Benutzern abgerundet. Was man sich wirklich sparen kann (außer, man nimmt einen Anfängerkurs) sind die Skigebiete am Fuji-san, dort gibt es nur Kunstschnee und die Pisten sind auch nur sehr kurz. Auch vom Indoor-Snowboarden in Sayama war ich enttäuscht…

Apres Ski?
Lustig finde ich, dass “Apres Ski” in Japan fast gänzlich unbekannt ist. Natürlich bekommt man auf den Skihütten auch Bier (keine Frage!), aber es kommt kaum Partystimmung auf. Dafür wird auf den Hotelzimmern umso doller gefeiert, und die Nachbarn beschweren sich auch nicht (trotz der allgegenwärtigen dünnen Wände). Ein Freund von mir hat schon mit dem Gedanken gespielt, eine Apres-Ski-Huette aufzubauen und damit reich zu werden. Bin mal gespannt, ob sich das in Japan durchsetzen wird… DJ Oetzi und der Anton aus Tirol auf Japanisch?
Equipment
Zum Einkauf von Snowboardsachen empfehle ich, im Frühjahr zum Ausverkauf nach Ochanomizu in Tokyo zu gehen. Getreu der japanischen Konglomerationsdenke sind dort Snowboardläden auf einer ganzen Straße konzentriert. Mit ein bisschen Shop-Hopping findet man schnell günstige Angebote für Snowboards, Bindungen und Wear. Wer öfter in Japan Wintersport ausüben will, dem sei es nahegelegt, sein eigenes Equipment zu kaufen, denn trotz der vielen Rental-Angebote an den Skigebieten (teilweise schon sehr günstig in Pauschalreisen integriert) sind die Sachen dort meist von schlechter Qualität und in für Ausländer passenden Größen kaum vorhanden.
Dieser Beitrag gehört zu den Kategorien Leben in Japan, Reisen und ihm wurden die Keywords reisen, japan, snowboard, schnee, nagano, fuji, ski, bus, apres ski, ochanomizu, einkaufen zugeordnet (Tag-Wolke anzeigen).
Verwandte Beiträge:
No related posts
2 Comments Add your own
1. Rodrigo Perez | April 15th, 2006 at 10:52 pm
Really nice pics, but unable to read german. =(
Ags, Mexico.
2. susanne | February 5th, 2007 at 10:41 pm
wow toller beitrag!! versuche gerade eine reise nach japan für nächstes jahr zu planen, du hast mir sehr geholfen
danke susanne
Leave a Comment
Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed