Lost in Translation - Japlish und Kanji-Tattoos

December 11th, 2005 at 08:04pm Alexander Müller

Ich vermeide es immer so weit es geht, englische Sätze auf den T-Shirts, Taschen und Werbepostern in Japan zu lesen. Meist sind sie gespickt mit Fehlern, und oft fragt man sich nur noch, nach welchem Kryptographieverfahren die Wörter/Buchstaben zusammengesetzt wurden. Anscheinend werden häufig einfach nur wohlklingende Wörter aneinandergereiht, in dem Irrglauben, dass den Text sowieso niemals irgendjemand lesen würde.

Leider ist das falsch. Was anfangs noch eine lustige Abwechslung darstellt, geht ziemlich schnell auf die Nerven. Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man seine eigenen Englischfähigkeiten infrage stellt…

Es gibt eine Vielzahl von Internetseiten, auf denen Ausländer in Japan die besten Ergüsse dieses japanischen Englisch (”Japlish”) gesammelt haben. Eine davon ist “Tokyo Tales”, die Seite von Chris Jennings. Ein lustiges Fundstück von ihm ist bspw. folgender Text

STANDARD
ONESELF WHOM BE ACTUAL
IS CERTAINLY
FOUND

den er auf einem Sweatshirt seines Nachbars in der U-Bahn gesehen hat.

Lustig sind auch die immer wiederkehrenden Pappverpackungen von Taschentüchern, auf denen knuddelige Katzen zu sehen sind. Darunter liest man:

European cats
Many cats are doing usual life
In the beautiful scenery and the streets.
We can see that one part.
Quelle: Tokyo Tales

Wie gut, dass diese Information mitgeliefert wurde, sonst hätte man sich nur schwer die Nase putzen können!

Was wollte der Designer uns wohl sagen, als er diesen Text ausgesucht hat?
Es müsste doch mittlerweile eigentlich genügend Ausländer in Japan geben, die für ein Freibier mal kurz über solche Texte drüberschauen und das Schlimmste verhindern können?

Ich setze mich ja auch nicht hin und schreibe irgendwelche chinesischen Werbetexte… ;-)

Die Rache der Europäer und Amerikaner in der Verunglimpfung der Sprache lässt jedoch nicht auf sich warten. Seit einiger Zeit ist es in, sich Kanji (chinesische Schriftzeichen) auf den Körper zu tätowieren. Mein Lieblingserlebnis ist bislang das Tattoo, dass ich im deutschen Freibad auf dem Bauch eines recht beleibten Zeitgenossen gesehen habe. Es lautete “Kühlschrank” (冷蔵庫). Zumindest war das anscheinend noch beabsichtigt…

Dass es auch noch weitaus amateurhafter als “Kühlschrank” zugehen kann, zeigt der in den USA lebende Chinese Tian Tang auf seiner Internetseite “Hanzi Smatter”. Hier berichtet er über die vielen Amerikaner, die sich falsche Schriftzeichen auf den Körper tätowieren lassen. Tian hat die besten Beobachtungen photographisch festgehalten, so etwas das Beispiel eines Amerikaners, der sich anstelle von “Segen” das Wort “Betrug” auf den Arm tätowieren liess. In einem anderen Fall sorgte bspw. ein fehlender Strich für eine vollkommen andere Bedeutung: “Freundlos”. Ohne Worte! :mrgreen:

Immerhin muss ich den japanischen Werbetextern zugestehen, dass sie sich den selbst verzapften Müll nicht auf den Körper tätowieren lassen…


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2 Comments Add your own

  • 1. julia  |  January 6th, 2006 at 1:46 pm

    schau Dir erst mal www.engrish.com an! da kommt man aus dem lachen nicht mehr heraus.
    viele grüße,
    julia

  • 2. え~っと [e:to | jap.&hellip  |  January 10th, 2006 at 10:30 pm

    […] Ich habe zwar gerade erst über das Englisch in Japan gelästert (siehe Artikel “Lost in Translation - Japlish und Kanji-Tattoos“), aber das muss ich einfach weitergeben: beim Warten am Bahnhof von Niigata fand ich in einem Laden eine Tasche mit der Aufschrift: “Primitive Cool - collective heterosexual scenario and turn the women red“. Ich versuche immer noch, den Sinn dieser Worte zu ergründen. Ich habe das intuitive Gefühl, dass ich hier auf etwas gestoßen bin, was weit jenseits der üblichen Rechtschreib- und Satzstrukturfehler liegt. Etwas wunderbares… […]

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