Mit der transsibirischen Eisenbahn von Japan nach Deutschland
November 4th, 2005 at 08:29pm Alexander Müller
Da ich immer wieder danach gefragt werde (und der Spaß des Erzählens langsam verblasst), möchte ich kurz von meiner Reise mit der transsibirischen Eisenbahn berichten. Ich höre nämlich immer wieder, dass bei vielen Leuten zwar der Wunsch da ist, einmal quer durch Sibirien zu reisen und “eines der letzten großen Abenteuer unserer Erde” zu unternehmen, aber es herrscht wohl immer noch ein Informationsdefizit vor. Obwohl es eine Vielzahl von Büchern zu dem Thema gibt (Lonely Planet und Konsorten lassen grüßen), so muss der Plan schon relativ konkret sein, damit man das Geld in eine solche Publikation investiert.

Ich möchte hier also weniger detaillierte Tips geben, was man sich auf der Reise genau ansehen sollte, sondern vielmehr eine allgemeine Einführung nach dem Motto: “es ist bei weitem nicht so schwer und so teuer, wie man es sich vielleicht vorstellt”.
Um es kurz zu halten: ich bin selbst zwischen März und Mai 2002 von Tokyo aus bis in meine Heimatstadt Wiesbaden gereist, ohne das Flugzeug zu Hilfe zu nehmen. Die Reise hat alles in allem etwa 8 Wochen gedauert (es geht jedoch auch kürzer!) und war bislang eines der schönsten Reiseerlebnisse, die ich gemacht habe. Deshalb habe ich natürlich auch ein Mitteilungsbedürfnis.
Auch wenn viele Reiseorganisatoren versuchen, Individualreisenden die eigene Organisation der Reise auszureden, so ist es dennoch ohne größere Probleme machbar. Man kommt dadurch nicht nur weitaus günstiger weg (Preis für Bahntickets etc. liegt etwa bei einem Drittel), sondern man hat auch Flexibilität, was die eigenen Verweildauern in den Stationen an der Transsibirischen Eisenbahn angehen.
Ich fing also damit an, mir in Tokyo die notwendigen Visa zu besorgen. Das chinesische (4.000 Yen, 2 Werktage Wartezeit) und das mongolische (4.000 Yen, 3 Werktage Wartezeit) Visum waren sehr problemlos zu erhalten. Das russische Visum gestaltet sich schwieriger, wenn man nicht zufällig Bekannte in Russland hat, so muss man mit einem normalen Touristenvisum Vorlieb nehmen: dies verlangt, dass man nach Ankunft in einem der teuren Hotels (bspw. in Moskau) eincheckt - das Hotel meldet dann die Ankunft bei der lokalen Polizeibehörde. Big Brother is watching you!
Die Route legte ich wie folgt fest.
- Nachtbus: Tokyo bis Kobe
Wer noch nicht in Kyoto war, kann bei der Gelegenheit noch eine kleine Pause in Kansai einlegen. - Fähre: Kobe bis Tianjing
Tianjing ist nicht unbedingt sehenswert, und dient der Automobilindustrie als Produktionsstandort. - Mietbus & Taxi: Tianjing bis Beijing/Peking
Am Hafen findet man sofort Busbesitzer, die für ein geringes Entgelt bereit sind (bzw. sich hartnäckig aufdrängen) einen bis nach Peking zu bringen. Peking ist eines der großen Highlights auf der Reise. Ich habe meinen Aufenthalt in der Stadt bis auf zwei Wochen ausgedehnt, weil es so viele Dinge zu sehen gab. Meine Empfehlungen sind (1) Sommerpalast, (2) Verbotene Stadt (klar, wer sieht sie sich nicht an), (3) große Mauer (aber nicht in Badaling, das ist zu touristisch), (4) Lama-Tempel, (5) Wangfujing (Einkaufsstraße, da gibt es allerlei lustiges Getier zum Essen, bspw. Skorpione, Schlangen, Grashüpfer, etc.).Die große Mauer von Jianshanling bis Simatai
Meine Empfehlung für die Besichtigung der großen Mauer ist, sich eine Tour mit dem Shuttlebus bis nach Jianshanling zu buchen. Es gibt mehrere Anbieter (meist an Jugendherbergen etc.), die diese Stelle der chinesischen Mauer anfahren.
Was an Jianshanling besonders faszinierend ist, ist die Tatsache dass dieses Stück der Mauer sehr gut erhalten ist, obwohl hier kaum restauriert wurde (im Gegensatz zu Badaling, wo eine Seilbahn die Massen von Touristen den Berg hinaufgondeln, was irgendwie an Disneyland erinnert). Ich empfehle, einen Busanbieter zu nehmen, der einen in Jianshanling aussetzt und 10km weiter (in Simatai) wieder aufsammelt. Die Wanderung über die Türme und teilweise etwas unwegsamen Treppen der Mauer ist sehr schön und man ist über weite Strecken alleine unterwegs (bis auf die obligatorischen fliegenden Händler, die wie überall ihre Wasserflaschen an die Touristen bringen wollen).
Start der Transsib
In Peking startet die transsibirische Eisenbahn (oder endet, je nach Blickwinkel). Es gibt noch einen alternativen Startort in Wladiwostok, aber der wird meist nicht empfohlen. Auch ich erlag der Verlockung, China und die Mongolei noch im Reiseplan zu haben, anstatt “nur” durch Russland zu reisen. Von Peking aus kann man entweder mit der Transsib durch die Mongolei fahren (ich entschied mich für diese Route), oder aber durch die Mandschurei (dazu kann ich leider nichts sagen). - Transsib: Peking bis Ulan Bator (Mongolei)
In Ulan Bator wird man schon am Bahnhof von diversen Gästehausbesitzern empfangen, die auch allesamt in Ordnung sind, wie ich hörte. Wenn man die Zeit mitbringt (ich empfehle mindestens 2 Tage Aufenthalt), so kann man sich einen Wagen mieten, mit dem man in den Nationalpark reisen kann. Wir hatten einen russischen Armeebus. Unser Fahrer stellte den Kontakt zu Nomaden her, und wir konnten in einem Ger (mongolisches Zelt) übernachten. Entdeckung: Mongolische Nomande schauen japanische Soap Operas über Satellitenfernsehen! - Transsib:Ulan Bator bis Irkutsk & Baikalsee (Russland)In Irkutsk gibt es einige schöne Gebäude aus der Gründerzeit, aber sonst ist der Ort recht grau.

Man sollte auf alle Fälle zum Baikalsee fahren, das ist die Hauptattraktion. Ich empfehle 2 Tage Aufenthalt, nicht mehr…
- Transsib: Irkutsk bis Novosibirsk
Novosibirsk ist sehr interessant, besonders der früher für Ausländer verbotene Vorort Akademgorodok, an dem die russische Forscherelite in der Wissenschaft arbeitet. Der Ort ist im Wald gelegen und gut für eine kurze Pause von den Reisestrapazen. Mit den Studenten dort kann man gut feiern.
- Transsib: Novosibirsk bis Ekaterinburg
Ekaterinburg ist sehenswert wegen diverser geschichtlicher Ereignisse, die dort stattfanden. Unter anderem kann man dort den Ort begutachten, an dem die Zarenfamilie auf Befehl Lenins umgebracht wurde. Die kleine Kapelle dient Monarchisten immer noch als Wallfahrtstätte. Ein Tag dürfte ausreichen. - Transsib: Ekaterinburg bis Moskau
Highlight der Russlandtour ist natürlich Moskau. Kunstgalerien, Kreml, die KGB-Zentrale (leider, oder vielleicht glücklicherweise nur von außen zu sehen), Gorky Park - die Stadt wartet mit vielen Attraktionen auf. Ich habe nur 4 Tage eingeplant gehabt, aber man kann durchaus auch eine Woche oder länger dort verbringen. - Langstreckenbus: Moskau bis Riga
Riga weist zu Russland einen Unterschied wie Tag und Nacht auf. Es gibt westliche Artikel zu normalen Preisen in den Läden, alles in allem ist die Stadt sehr westlich - man merkt die Nähe zur EU. Der Stadtkern ist mit seinen vielen Kirchen sehr schön, also sollte man mindestens einen Tag dort zubringen. - Fähre: Riga bis Lübeck
- Bahn: Lübeck bis Wiesbaden


Von Moskau aus ging es dann wie folgt weiter.
Reisedauer: Alles in allem dauert die Reise mit der Transsib etwa 5 Tage, wenn man die Strecke in einem Rutsch nimmt, was allerdings nicht zu empfehlen ist. Zur Reisezeit kann ich noch sagen, dass April vielleicht etwas zu früh war, es war teilweise noch recht kalt und es lag Schnee (was allerdings den Baikalsee umso schöner machte!). Das muss jeder selbst entscheiden.
Kosten: es ist bei weitem nicht so teuer, wie man es sich vorstellen mag. Ich selbst habe für die Reise insgesamt vielleicht 2.000 US$ ausgegeben, was (wenn man die Kosten für das Flugticket abzieht, das ich sonst hätte kaufen müssen) wirklich unschlagbar ist für eine Reise dieses Umfangs.
Weitere Informationen:
- Karte der Transsib-Strecken
- Geschichtliche Hintergrundinformationen zur Transsib gibt es bei der Trans-Siberian Web Encyclopedia
Abschließend noch ein kleiner Exkurs: Wozu dient eigentlich ein Blog?
Diese Frage wird zwar von jedem anders beantwortet, für mich jedoch ist jedoch folgender Aspekt besonders wichtig: damit ich nicht immer die gleichen Sachen tausend Mal erzählen muss. Natürlich ist es auch hin und wieder ganz nett, sich dem Smalltalk hinzugeben, aber manchmal gibt es Augenblicke, da wünscht man sich, dass man dem Fragenden einfach einen fertig verfassten Artikel in die Hand drücken kann. In diesem Sinne!
Dieser Beitrag gehört zu den Kategorien Reisen und ihm wurden die Keywords rußland, japan, zug, bahn, transsib, sibirien, moskau, china, peking, kobe, fähre zugeordnet (Tag-Wolke anzeigen).
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5 Comments Add your own
1. Juju | December 1st, 2005 at 6:38 pm
Eine schöne Reise beschreibst Du da. Das ist eine Sache, die ich auch nochmal gerne machen möchte. Dein Artiklen macht Selbstplanern Mut!
2. Huibu | March 8th, 2006 at 6:38 pm
wie war das eigentlich mit der sprachlichen bariere?
mit englisch kommst du dort wohl kaum weiter, oder kannst du russische, chinesisch und mongolisch?
3. Alex Mueller | March 13th, 2006 at 1:18 pm
In China ging das mit der Verstaendigung ganz gut, weil ich Japanisch kann und daher die Schriftzeichen ganz gut verstaendlich sind. Die Grundkenntnisse in Chinesisch reichten fuaer einfache Bestellungen etc. aus, ansonsten mit Haenden und Fuessen, denn Englisch bringt in China nicht viel…
In Russland ist man ohne Russisch recht aufgeschmissen, besonders wenn man sich die Fahrkarten fuer die Transsib selbst kauft. Da kann es schon einmal passieren, dass die Kassiererin am Fahrkartenschalter einfach mit einem “Njet” den Vorhang runterzieht, weil sie keinen Bock hat, sich mit dem Auslaender auseinanderzusetzen. Durchhalten ist da angesagt!
In der Mongolei lief alles hervorragend mit Englisch und einem mongolischen Bilderbuch, in dem die wichtigsten Sachen dargestellt sind. So kann man sich auch mit den Nomaden verstaendigen. Gibt es von Langenscheidt oder auch vor Ort von mongolischen Verlagen.
4. Marco | June 10th, 2006 at 2:45 pm
Hi, super Bericht, ich beneide dich schon ein wenig um diese Reise . Ich nehme an, du bist von Deutschland nach Tokio geflogen. Ist dieser Flug in den 2000 $ Reisekosten enthalten?
5. Philipp | April 6th, 2007 at 1:55 pm
Hallo! Vielen Dank fuer diesen Blog!
Ich befinde mich gerade in Japan (mache hier meinen Zivildienst) und reise im Juli zurueck nach Deutschland.
Ich liebauugle schon laenger damit, dafuer die Transsib statt dem Flugzeug zu nehmen und habe natuerlich jede Menge Fragen zu diesem Thema.
Mein groesstes Anliegen ist zu wissen, ob es nicht erheblich teurer wird, immer Tickets fuer die Einzelstrecken zu kaufen.. Denn man wird ja wohl nicht mit einem “Peking-Moskau-Ticket” immer wieder anhalten und an einem anderen Tag weiterreisen koennen, oder?! Hast Du dann jedes Mal Tickets vor Ort geloest, oder sie schon im Voraus buchen koennen?
Ich waere sehr dankbar fuer eine Antwort und wenn ich in nicht allzu ferner Zukunft noch weiter Fragen stellen duerfte…
Vielen Dank erst mal und freundliche Gruesse,
Philipp
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