Softwareentwicklung und Seniorität - warum Extreme Programming in Japan nicht funktioniert
October 5th, 2005 at 10:02pm Alexander Müller
In vielen Beiträgen wurden Nachteile japanischer Unternehmen hinsichtlich Softwareentwicklung auf die zu den USA unterschiedliche Industriestruktur zurückgeführt (geschlossene Netzwerke, geringe Entrepreneurship, etc.). Das es jedoch auch gravierende Probleme auf dem Level des Unternehmens gibt, die Softwareentwicklung negativ beeinflussen, ist weniger bekannt.
In den Jahren, in denen sich Japan eines hohen Wirtschaftswachstums erfreute, blickten viele ausländische Beobachter erfürchtig auf die drei Säulen des japanischen Managements:
- Lebenslange Einstellung
- Betriebsgewerkschaften
- Senioritätsprinzip
Ob diese Institutionen mit dem Abschluss des Catch-up Effekts ihre Wirksamkeit eingebüsst haben, wird kontrovers diskutiert. Das Senioritätsprinzip wird jedoch mit dafür verantwortlich gemacht, dass Programmiermethoden wie “Extreme Programming” (XP) in Japan wenig Erfolg gezeigt haben. Extreme Programming (XP) ist eine relativ neue Vorgehensweise in der Softwareentwicklung, die ursprünglich von Kent Beck, Ward Cunningham und Ron Jeffries entwickelt wurde.
Extreme Programming (XP) ist ein agiler Softwareentwicklungsprozess für kleine Teams. Der Prozess ermöglicht, langlebige Software zu erstellen und während der Entwicklung auf vage und sich rasch ändernde Anforderungen zu reagieren. Ein XP-Team besteht aus zwei bis etwa zwölf Programmierern, einem Kunden oder mehreren direkten Anprechpartnern auf Kundenseite und dem Management. Ferner erfordert der Prozess die Rollen des Trainers und Verfolgers. Der Trainer bespricht mit dem Team die diszipliniert einzuhaltenden Techniken und erinnert das Team, wenn es die selbstgewählten Regeln verletzt. Der Verfolger nimmt regelmässig den aktuellen Status und die geleisteten Programmieraufwände auf, um so zuverlässige Geschichtsdaten über das Projekt zu erhalten. (Quelle)
Das Management schreibt einem XP-Team niemals vor, was es zu tun hat. Stattdessen zeigt der Manager lediglich Probleme auf und läßt die Programmierer selbst entscheiden, was zu tun gilt. Die Programmierer arbeiten stets zu zweit am Code und diskutieren während der Entwicklung intensiv über Entwurfsalternativen. Sie wechseln sich minütlich an der Tastatur ab und rotieren stündlich ihre Programmierpartner. Das Ergebnis ist eine höhere Codequalität, grössere Produktivität und bessere Wissensverbreitung.
Zu den Grundregeln von Softwareentwicklung mit Extreme Programming zählt nicht nur Respekt gegenüber anderen Teammitgliedern (unabhängig ihres Alters oder Standes innerhalb der Gruppe), sondern vielmehr auch Mut (Courage), die bereits programmierten Programmzeilen des Vorgängers infrage zu stellen. Hier zeigten sich in Japan allerdings gravierende Mängel. Wenn zwei Programmierer unterschiedlichen Ranges in einem Projekt beteiligt waren, so gab es so in der Praxis so gut wie nie Widersprüche durch den niedriger Gestellten.
Dieser Beitrag gehört zu den Kategorien ICT und ihm wurden die Keywords japan, unternehmen, software, technologie, programmieren, seniorität, innovation zugeordnet (Tag-Wolke anzeigen).
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1. Kalyxo denkt&hellip | October 7th, 2005 at 6:52 am
Extreme Programming: Vorgehensmodell zur Software-Entwicklung bei //SEIBERT/MEDIA
//SEIBERT/MEDIA wendet für die technische Entwicklung des evolutionäre Vorgehensmodell des ‘eXtreme Programming’ (XP) an.
…
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