Warum verkauft sich der Smart nicht in Japan?
October 28th, 2005 at 02:15pm Alexander Müller
Japan - Markt der kleinen Autos. Diesen Eindruck zumindest erhält man, wenn man die Tokyo Motor Show 2005 (22.10. bis 6.11.) besucht. Obwohl Toyota bspw. mit dem Harrier SUV einige große Automobile im Sortiment hat, so ist der Großteil der ausgestellten Wagen dem Kleinwagen- oder Kleinstwagensegmentsegment zuzurechnen.
Vom Smart wurden auf der Tokyo Motor Show 2005 verschiedene Versionen ausgestellt (For-Four, Roadster, etc.), obwohl bislang noch nicht gesichert ist, ob diese Modelle ueberhaupt weiterhin/jemals in Serie produziert werden. Smart kaempft weltweit mit Absatzproblemen. Besonders in Japan hat sich der Smart nie richtig durchsetzen koennen, obwohl die Vorliebe japanischer Verbraucher fuer kleine Autos eigentlich ein Marktpotential voraussagen.

Eigentlich müsste dieses Auto doch perfekt für die engen Straßen, das Parkplatzproblem in den Großstädten geeignet sein… und wurde der Smart nicht ursprünglich für Großstädter gebaut, um einen neuen “urban lifestyle” zu verwirklichen? Was passt am Smart nicht zu Japan? Die Ursachenforschung ist sich uneinig, ich werde jedoch einige mögliche Erklärungen liefern.
Antwort 1: Parkplätze
Die Antwort ist vielschichtig. Einer der gravierensten Gründe dürfte sicher sein, dass der Parkplatzvorteil des Smart in Japan nicht genutzt werden kann. In Japan muss man nachweisen, dass man einen Parkplatz hat, wenn man sich einen Wagen in der Großstadt anschafft. Viele Autobesitzer mieten daher Parkplätze, oft für monatliche Gebühren von bis zu 50.000 Yen (etwa 400 EUR)! Obwohl unter dem Gesichtspunkt enger Straßen ein kleines Auto einige Vorteile hat, so muss es doch nicht so klein sein wie der Smart, denn die Gebühren für Parkplätze fallen unabhängig von der Parkplatzgröße an.
Antwort 2: Urban Lifestyle?
Der von Smart angepriesene Urban Lifestyle (Robbie Williams hat es in London vorgemacht) wird in Japan nicht durch ein Auto ergänzt. In Tokyo wohnen viele Leute in der Innenstadt, die noch nie in ihrem Leben Auto gefahren sind und keinen Führerschein besitzen. Plausibel ist, dass der Smart mit seinem Konzept, ein Gefuehl des “Urban Lifestyle” zu verkaufen, in Japan nicht erfolgreich ist, weil “urban lifestyle” in Japan durch die Verwendung von oeffentlichen Verkehrsmitteln gelebt wird.
Antwort 3: Kleinstwagen, aber kein MPV
Kleinwagen japanischer Hersteller erfuellen grundlegende Funktionen eines Automobils in verringerter Groesse, und haben oft auch Charakteristika von MPV (Multi-Purpose-Vehicles). Dies fehlt dem Smart.
Nur am Rande: die Aufteilung von Automobile in Segmente ist nicht immer einheitlich. Ich folge hier der Aufteilung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), die alle PKW eindeutig zu zehn so genannten Segmenten zuordnet, um sie statistisch vergleichbar zu machen (Kleinstwagen, Kleinwagen, Untere Mittelklasse, Mittelklasse, Obere Mittelklasse, Oberklasse, Geländewagen, Cabriolets & Roadster, Vans, Utilities). Die Eingruppierung der Modelle erfolgt anhand optischer, technischer und marktorientierter Merkmale. Die Bildung der Klassifizierungsmerkmale und die Zuordnung wird in enger Abstimmung mit Vertretern der Automobilindustrie vorgenommen. Stark inhomogene Segmente werden weiter unterteilt. (Quelle: Wikepedia)
Der Smart fällt nach dieser Segmentierung in das gleiche Segment wie die japanischen Klein(st)wagen. Im Unterschied zum Smart erfüllen diese jedoch auch teilweise Voraussetzungen für sog. MPV (Multi-Purpose-Vehicles).
An MPV or multi-purpose vehicle is a passenger-carrying vehicle based on a car platform, and is generally a one box design—neither a distinct bonnet nor boot, but rather a maximised interior space. The term is popular in Europe and elsewhere but not generally used within North America; minivan is the nearest equivalent. MPVs generally have a flat floor and removable seats except for the front row, and give great flexibility of seating arrangements and cargo capacity. Definition von Wikipedia
Dieser neue Modebegriff hat sich noch nicht eindeutig in den Segmentkategorien durchgesetzt, denn es gibt große und kleine MPVs. So fallen hierunter der sehr große Renault Espace (das erste MPV), als auch teilweise Modelle japanischer Hersteller, die auf kleinere Chassis setzen (wie bspw. der Nissan Cube).

Daihatsu - Beispiel für Erfolg im Klein(st)wagensegment
Wie erfolgreich japanische Hersteller mit Klein- oder Kleinstwagen sind, zeigt Daihatsu. Daihatsu stellte auf der Tokyo Motor Show eine Palette von Kleinwagen aus.

Dass das Unternehmen mit dem Produktsortiment erfolgreich ist, zeigt sich in der Gewinnsteigerung, die Daihatsu insbesondere durch Erfolge auf dem japanischen Markt erreichen konnte. Die Daihatsu Motor Co Ltd hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2005/06 (31. März) wegen der Absätze neuer Modelle in Japan und Malaysia in der Gruppe um 13,9% auf 10,96 Mrd JPY gesteigert. Die auf Klein- Pkw spezialisierte Tochter der Toyota Motor Corp weitete ihren Umsatz um 10,8% aus. Operativ betrug das Wachstum wegen gesenkter Kosten sogar 14,4%. Der Konzern erhöhte die Gesamtjahresprognose für die Gruppe auf 26,5 Mrd JPY nach zuvor 26,0 Mrd JPY. Auch der Umsatz dürfte um 100 Mrd JPY höher ausfallen als zunächst veranschlagt, erklärte das Unternehmen. (Quelle: Yoshio Takahashi, Dow Jones 27.10.2005)
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2 Comments Add your own
1. pato chan | November 22nd, 2005 at 4:10 pm
http://en.wikipedia.org/wiki/Keicar
Fuer ein Keicar braucht es keinen Parkplatznachweis. Ein Smart ist doch wohl ein Keicar, oder?
Ich glaube du vergisst den Preis. Der Smart (ab 9000 euro) ist um einiges teurer als die Japanische Kleinwagen (ab 0.9-1 mil. yen).
Der Trend geht, glaube ich, zu immer groessere Autos. Wenn Mann fuer seine Frau ein Mercedes kauft soll es schon ein richtiger sein. Meist in weiss, ich sehe sehr viele Hausfrauen damit rum fahren. Mein (Yat-chan) Nachbar hat sich ueberigens ein Hummer gekauft.
Pato
PS
http://www.smart-j.com/e/guide.html
ab 1.4 mil yen -> teuer
2. Alex | November 27th, 2005 at 12:28 am
Du hast recht. DaimlerChrysler hat für den japanischen Markt eine Sonderversion (nicht so breit wie die europäischen Smarts) unter dem Namen Smart K herausgebracht, der die Erleichterungen der Keicars geniesst. Ich ziehe das Argument des Parkplatzes wieder zurück. Asche auf mein Haupt!
Zum Preis: ja, der Smart ist hier recht teuer, aber das ist er in Europa (und Kanada) auch im Vergleich zu anderen Kleinwagen (insbesondere der japanischen Anbieter). Der Preis spielt allerdings für viele dort kaum eine Rolle, da der Wagen dort eine andere Käuferschicht anspricht: diejenigen, die mit ihrem Smart ihren “Urban Lifestyle” a la Robby Williams verwirklichen wollen.
Dies trifft jedoch auf Japan nicht zu. Hier haben Anbieter für Käufer des “Urban Lifestyle” nur Chancen, wenn sie MPV-Charakteristika liefern. MPV in gross gibt es schon zuhauf, allerdings gibt es auch eine Anzahl von Kleinwagen/Keicars, die den MPV nacheifern. Das fehlt dem Smart… und deshalb wird der Smart hier auch nicht erfolgreich sein, selbst wenn es dem Unternehmen gelingt, das Auto kostengünstiger in Japan anzubieten.
Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen!
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