Die eingezäunte Gesellschaft (Teil III) - Zaunfreie Räume
September 9th, 2005 at 09:15am Alexander Müller
Wer sich einmal in Japan umsehen und das Land kennenlernen möchte, ohne alles vorgekäut zu bekommen, dem lege ich einen Ausflug in die japanischen Berge nahe. Zu Tokyo recht nahe gelegen ist der Naturpark Oku-Tama im Osten von Tokyo. Allerdings gelingt es dem Individualisten unter den Reisenden auch hier nur selten, einmal wirklich alleine und ohne Vorschriften Wege zu beschreiten, so dass man schon ein wenig weiter reisen sollte.
Im Norden der Hauptinsel Honshu liegt die Präfektur Aomori, in deren Herzen sich eine Bergkette namens Hakkoda-san befindet. Der Hakkoda ist Schauplatz einer Tragödie in der japanischen Geschichte gewesen. Am 23. Januar 1902 gerieten hier eine Gruppe von 220 japanischen Soldaten bei einer Winterübung in einen Schneesturm. Nur 17 Soldaten überlebten. Mit dem Berg ist also nicht zu spaßen! Im Sommer jedoch ist die Wanderung jedoch ungefährlich, von einigen Schauern abgesehen.

Die Bergkette des Hakkoda besteht aus drei Gipfeln, die ein geübter Wanderer in einem Tag überqueren kann. Für die Planung der Wanderung über den Gipfel kann ich das Buch “Hiking in Japan” vom Lonely Planet Verlag wärmstens empfehlen. Zusätzlich ist es nicht schlecht, eine Karte zu besorgen (gibt es allerdings kostenlos im Fremdenverkehrsamt gegenüber vom Aomori Bahnhof).
Eine gute Möglichkeit, um zum Fuß des Hakkoda zu gelangen, besteht mit dem JR Bus von Aomori Bahnhof aus (nach Aomori gelangt man bspw. mit dem Shikansen von Tokyo aus, am besten am Vortag bereits anreisen). Die Busfahrt bis Sukayu Onsen, wo ein guter Startpunkt ist, dauert etwa 50 Minuten (20 km).
Für die Wanderung über die drei Gipfel, während der man kaum einer Menschenseele begegnet und seinem Individualistentum freien Lauf lassen kann, benötigt man etwa 6-8 Stunden. Zu Beginn bahnt man sich einen Weg durch urwaldähnliches Gelände, um nach einiger Zeit leichten Schwefelgeruch wahrzunehmen. Nach und nach wird aufgrund der vulkanischen Gase der Pflanzenbewuchs geringer, und man gelangt an einen kleinen Canyon, der einer Mondlandschaft ähnelt: graue Asche und Gestein, hier gedeiht nichts.
Auf dem Weg zum ersten Gipfel kommt man durch ein kleines Wäldchen, wo am Wegesrand eine Schutzhütte und eine Quelle mit Trinkwasser zu finden sind. Der Aufmarsch zum Gipfel ist sehr anstrengend, belohnt jedoch mit einer wunderschönen Aussicht. Auf der dem Wind abgeneigten Seite hat man einen wunderschönen Blick ins Tal, und über den Gebirgskamm zieht der Nebel.

Der weitere Weg über die Gipfel ist nicht weniger spektakulär, man kommt an einem grasbewachsenen Vulkankrater vorbei und kann auf dem Grat entlangwandern.

Gegen Nachmittag gelangt man schließlich auf dem dritten Gipfel zur Hakkoda-Seilbahn, wo man seine Getränkevorräte auffrischen kann. Hier kann man auch eine kleine Anzahl von Touristen begegnen, die den “vorgeschriebenen” Weg nehmen. Auf dem Pfad an der Südseite des Bergs, verflüchtigen sich diese jedoch schnell wieder und man den eingezäunten Teil der Sehenswürdigkeit wieder verlassen. Auf dem Abstieg gelangt man in eine idyllische Moorlandschaft, durch die ein schmaler Weg führt. Vorsicht vor Fehltritten!

Wenn man abends auch auf dem Hakkoda übernachten möchte, so empfehle ich das “Sukayu Onsen”, ein altes japanisches Gasthaus, das auch eine eigene heiße Quelle hat, wo man sich am Ende einer langen Wanderung die Beine entspannen kann.
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4 Comments Add your own
1. え~っと [e:to | jap.&hellip | September 9th, 2005 at 9:27 am
[…] Hakone kann sehr schön sein, dafür muss man allerdings einen undenkbaren Schritt wagen: den empfohlenen Weg verlassen und auf eigene Faust losgehen, bspw. um ein kleines Onsen (eine heiße Quelle) zum Baden zu finden, oder einen Tempel in den Bergen. Lese weiter im dritten Teil der Serie “Die eingezäunte Gesellschaft” […]
2. pato chan | September 9th, 2005 at 1:23 pm
Suogi, kirei, wo kann ich denn die Tour buchen? Hahahahaha
Ein wenig weiter? Ich schaetze mal dass sind um die 800 km ab Tokyo. Dass ist wie wie der Muenchener sagt: “Ach lass uns mal an die Ostsee fahren”
3. Alex | September 9th, 2005 at 9:09 pm
Ja, das lohnt sich auch eigentlich nur, wenn man einen J-Rail Pass hat. Oder aber, wenn man sowieso in Hokkaido ist (Flug nach Hokkaido ist nicht so besonders teuer, wenn man ein gutes Angebot findet - im Sommer gibt es davon eine Reihe).
In Hokkaido gibt es noch den Daisetsuzan (großer Schneeberg), der soll auch sehr schoen sein.
In der Naehe von Kyoto gibt es auch eine Reihe von Bergen. Bei Bedarf gebe ich gerne mehr Informationen…
4. Pfister Elmar | November 21st, 2006 at 9:48 am
Sehr geehrte Damen und Herren,
könnten Sie mir Infos zukommen lassen über ein Schwefelbad in der Nähe von Tokyo, welches sich “hatsho nu-yu” nennt.
Es könnte sein, daß die Schreibweise jedoch anders ist. Mit dem Auto braucht man etwa 90 - 120 Minuten, um von Tokyo aus dorthin zu gelangen. Das Bad befindet sich in einer ziemlich verlassenen, aber wunderschönen Gegend. Auf dem Weg dorthin kommt man an einem Verkaufsstand borbei, wo auch gegrillte Spieße mit Bärenfleisch, sowie Salamander und Eidechsen angeboten werden. Außerdem ist dort ein großer Viaduct.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir weiterhelfen könnten und bedanke mich ganz herzlich.
Liebe Grüße aus Würzburg
Pfister Elmar
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