Tokyo: Leben auf dem Pulverfass

July 6th, 2005 at 11:52pm Alexander Müller

Erdbebenforscher haben herausgefunden, dass Tokyo weitaus verwundbarer durch Erdbeben ist, als man bisher angenommen hat. Die Gefahr, die von einem Erdbeben ausgeht, ist davon abhaengig, wie weit das Erdbeben an der Oberflaeche auftritt. Die Platten, die das Niigata-Erdbeben in Nordjapan im letzten Jahr verursachten, befanden sich nur 10km unter der Oberflaeche, so dass der Schaden enorm war. Im Grossraum Tokyo-Yokohama, wo etwa 35 Millionen Menschen leben, treffen drei tektonische Platten aufeinander. In frueheren Studien wurde immer angenommen, dass diese Platten bis zu 40 km unter der Oberflaeche seien. Eine Studie von japanischen Forschern hat nun zutage gebracht, dass sich die Platten tatsaechlich nur zwischen 4 und 26 km unter der Oberflaeche befinden.

Schlechte Nachrichten fuer die Bewohner im Grossraum Tokyo. Das naechste grosse Erdbeben ist ohnehin ueberfaellig. Es besteht der Aberglauben, dass alle 70 Jahre Tokyo von einem Monster-Erdbeben heimgesucht wird. Das letzte grosse Erdbeben von 1923 hatte eine Staerke von 7.9 und toetete etwa 179.000 Menschen. Damals kostete der Wiederaufbau Japan etwa die Summe des jaehrlichen Bruttoinlandsprodukts. In der Zwischenzeit ist die Bedeutung Tokyos fuer die Wirtschaft Japans und auch fuer die Weltwirtschaft gewachsen: Schaetzungen gehen in etwa vom Faktor 3 aus. Sollte in den naechsten Jahren ein aehnlich starkes Erdbeben Tokyo heimsuchen, so haette dies womoeglich nicht nur eine enorme Opferzahl, sondern auch eine weltweite Rezession zur Folge.

Quelle: Bloomberg


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3 Comments Add your own

  • 1. pato chan  |  July 19th, 2005 at 11:23 am

    Das Hanshin Beben hat etwas ueber 5000 Leute getoetet oder besser gesagt die Feuer die enstanden sind. Die gebauden sind nicht mehr alle aus Holz, die Economische Struktur hat sich gewandelt. Der Tatami-macher for 80 Jahren war gearscht als ihm die Bude abgefackelt ist. Der Sarariman heute wird mit seinem Keitai denn Chef anrufen dass er nicht kommen kann, seine notopasokon anschleuden und mit seine Arbeit von zuhause erledigen. Keine 2 Stunden in der Metro, und da die Frau von ihm verlangt er muss heute abend mit helfen das Hhause wieder in ordnung zu bringen macht er seine Arbeit 2 mal so schnell wie er normalerweise im Buro tut. :-)
    179.000 und 1 Jahres BIP und dass alles Mal drei ist meiner Meinung nach Panikmache. Es wird aber schlimm sein kein Zweifel moeglich. Es gibt kein Rokkosan sondern Saitama, kein Awajishima sondern Yokohama. Sagen wir mal 5 mal 5000 Leute? Die 70 Jahre ist vielleicht nicht nur Aberglaube. Eine Spannung baut sind langsam auf bis etwas bricht. Mach dir keine Sorgen, die Platten schieben ruhig weiter und das naechste Beben kommt bestimmt. Ueberigens weisst du wo du hin gehen musst wenn’s Bebt? Wasser im Hause? Licht? Was zu Essen?

  • 2. Alexander Müller  |  July 23rd, 2005 at 4:45 pm

    Gerade war hier in Tokyo ein Erdbeben der Staerke 4-5. Tja, bislang habe ich auch noch kein Notfallset vorbereitet (Taschenlampe, Wasser, Radio, etc.), aber so langsam sollte man vielleicht mal anfangen.

    Wobei ich aber den Eindruck habe, dass die meisten Leute sowieso nicht reagieren, wenn ein Erdbeben auftritt. Es wird zwar empfohlen, sofort auf die Strasse zu gehen (mit dem Notfallset), aber wenn ein Erdbeben in der Nacht auftritt, wer rennt dann schon im Schlafanzug auf die Strasse? Alle Freunde, die ich bisher gefragt habe, haben sich hoechstens mal im Bett umgedreht. Die meisten haben wohl ein grosses Vertrauen in die Bausubstanz…

  • 3. pato chan  |  July 27th, 2005 at 11:49 am

    Ein guter Freund von mir war in Istanbul in ein schickes Hotel als dass grosse Erdbeben dort passiert ist. Das Hotel war voll Japaner. Innerhalb von eine Minute standen alle Europeaer halb Nackt draussen. Die Japaner? Haben sich umgedreht und weiter geschlafen.

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