The “Lost Japan”

July 12th, 2005 at 10:27am Alexander Müller

In seinem Buch Lost Japan (Lonely Planet Travel Literature) beschreibt Alex Kerr eindrucksvoll, wie sich Japan seinem Ruin nähert, indem es sein kulturelles Erbe zerstört. Obwohl die touristischen Attraktionen gut bewahrt werden, so verschwinden nach und nach die Alltäglichkeiten der japanischen Kultur. Dinge, die nicht ständig im Rampenlicht stehen, ländliche Dörfer, Kunst, Wildnis. Nach dem Lesen des Buchs hat man kaum noch Lust, die berühmten Sehenswürdigkeiten des Landes zu sehen, sondern sehnt sich vielmehr danach, die versteckten und geheimnisvollen Aspekte des Landes zu erforschen.

Alex Kerr entdeckte sein “Lost Japan” im Iya Valley, einer unzugänglichen Region im Herzen von Shikoku, die von Touristen am wenigsten besuchte Hauptinsel Japans. Hier kaufte er in 1973 ein altes Bauernhaus und restaurierte es liebevoll. In 1998 wurde das Chiiori Projekt gegründet, im Rahmen dessen jährlich Aussteiger und Besucher in ländlicher Idylle im “Tibet Japans” Häuser restaurieren und Workshops zur japanischen Kultur abhalten.

Der pinkelnde Junge, das Wahrzeichen des Heike Clans

Das Iya Valley hat eine lange Geschichte der Unzugänglichkeit. Hier war es, dass sich der Heike Clan während der japanischen Bürgerkriege im 12 Jahrhundert vor den Feinden versteckte. Die Hängebrücken (Indiana Jones lässt grüßen), die in dem unwegsamen Tal Straßen verbinden, wurden so konstruiert, dass sie im Notfall durch wenige Axthiebe vor den Verfolgern abgerissen werden können.

Haengebruecken im Iya Valley

Ich war sehr gespannt, was mich im Iya Valley erwartet. Wir näherten uns mit dem Auto über den Mt. Tsurugi (der “Schwert-Berg”) von Osten, was eine ungewöhnliche Route darstellt, da sie über Bergstraßen führt, die nur schwer zu befahren sind. Die Straßen sind so schmal, dass entgegenkommender Verkehr nur in Ausweichbuchten passieren kann. Während auf der einen Seite der Abgrund klafft (oftmals ohne Leitplanke!), hofft man darauf, dass kein Auto entgegenkommt.

Bergstrassen im Iya Valley

Zum Lohn für die abenteuerliche Auto-Tour waren wir völlig alleine in der Bergwelt und entdeckten ein bislang unbekanntes Japan. Ich war bislang daran gewöhnt, bei touristischen Sehenswürdigkeiten brav in der Schlange zu stehen und mich nur innerhalb der abgesteckten Wege bewegen zu müssen - das Iya Valley wartete mit einer völlig neuen Perspektive auf! Stille Bergwelt, abgelegene Dörfer, grünes Grün, Tierwelt (Vögel, Frösche, Krabben, …), Nebel auf Berghängen - ein kleines Paradies im überbevölkerten Japan.

Unberuehrte Bergwelt im Osten des Iya Valley

Während der östliche Teil des Iya Valley durch seine Unzugänglickeit seine natürliche Idylle bewahren konnte, so wartete der erste Besuch im westlichen Teil des Tals mit einigen Überraschungen auf: so ist es sehr gut über Schnellstraßen an die Autobahnen Japans angebunden. Mir fiel sofort auf, wie gut die Straßen befestigt sind. Ein Unterschied wie Tag und Nacht zu unserer Anreise über den Mt. Tsurugi. Von wegen Wildnis! Bei der Ankunft an der Kazurabashi (eine der berühmten Hängebrücken, die bis heute behalten wurden), wurde auf der anderen Seite des Tals schon an einer großen Event-Bühne gebaut. Kulturelle Schätze, die bislang nicht im Blickwinkel der Öffentlichkeit waren, sind nun also auch vom Kommerz erfasst. Nicht mehr lange, und das Iya Valley wird tatsächlich verloren sein. Vielleicht sollten die Bewohner des Ostteils die Hängebrücken abreissen? :evil:

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5 Comments Add your own

  • 1. pato chan  |  July 14th, 2005 at 1:22 pm

    Sieht nicht schlecht aus. Wir wollen eigentlich auch mal einen Ausflug nach Shikoku machen. Wie macht mann dass am besten von Kyoto? Auto mieten? Zug? Bus?

  • 2. Alexander Müller  |  July 14th, 2005 at 2:38 pm

    Wenn die Teilnehmer einen Japan Rail Pass haben, dann kann man sich ueberlegen, mit dem Zug zu fahren:

    Kyoto - Okayama - Oboke in 3,5h, Kosten (ohne Rail Pass) 10,890Y

    Von Oboke aus gibt es Busse, mit denen man an die wichtigsten Touri-Spots des westlichen Iya Valley kommt (Kazurabashi, etc.).

    Ich empfehle jedoch, sich einen Mietwagen zu nehmen, und selbst nach Shikoku zu fahren. Auf dem Weg bis nach Iya Valley gibt es eine Reihe von Sehenswuerdigkeiten, die man in die Reise mit aufnehmen kann (bspw. Awajishima, die kleinen Inseln bei Imabari, Matsuyama, etc.). Auch kann man, wenn man ein guter Autofahrer ist, auch den Weg ueber den Tsurugi-san nehmen und sich den Ostteil des Iya Valley ansehen. Kann ich nur empfehlen! Die Autobahngebuehren fuer die Bruecken zwischen Honshu und Shikoku sind jedoch relativ teuer (one way etwa 5.000Y), so dass man schon mehrere Passagiere im Mietwagen mitnehmen sollte.

    Hoffe, das hat geholfen!

  • 3. Alexander Müller  |  July 14th, 2005 at 3:08 pm

    Hier uebrigens noch ein Geheimtipp: wenn man die Zeit und das noetige Kleingeld mitbringt, sollte man im Iya Valley auf alle Faelle eine Rafting-Tour buchen.

    Der Yoshino Fluss hat auf seinen 8km durch das Iya Valley einige der schoensten und spektakulaersten Stromschnellen der Erde. Selbst bei regnerischen Tagen sind die Steilwaende und Schluchten einzigartig.

    Im empfehle Happy Raft. Unser Guide war Teru, der die Eintages-Whitewater-Rafting-Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Teru hat auch ein cooles Guesthouse in den Bergen (Uebernachtung 2.000Y/Person).

    EXTREME! (kleiner Insider)

  • 4. pato chan  |  July 15th, 2005 at 12:07 pm

    Merci, werde mal schauen. Ich weiss dass dass die Bruecken Sau teuer sind. Japanrail ist muri da mit kyoju visa, vielleicht mit seishun 18 kippu, sitzt man aber lange.
    Oops kyoto minami - tokushima ist um 12.000 yen. und dauert 5 stunden…. (ref JH navi). .Ich glaube dass wird 18 kippu nach Shikoku und dort Auto mieten. Wir sind nur zu zweit.

  • 5. Alexander Müller  |  July 15th, 2005 at 3:52 pm

    Nimm von Kyoto doch einfach den Bus bis nach Tokushima, der kostet one-way 4,100Y.

    高速バス 京都→徳島

    Das war zuerst auch mein Plan, aber dann waren wir soviel Personen im Auto, dass sich die Brueckenfahrt gelohnt hat.

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