DaimlerChrysler und die Qualität
July 31st, 2005 at 01:50am Alexander Müller
Es ist raus: Jürgen Schrempp muss seinen Hut nehmen. Nachdem nun auch der Aufsichtsrat (mit Duzfreund Köpper lange Zeit ein eher harmloses Kontrollinstrument) seine Unterstützung entzogen hat, wird Platz für einen Thronfolger.
Mit Lorbeeren wurde Schrempp nicht bedacht.
Allein Wirtschaftminister Wolfgang Clement (SPD), der des öfteren Dinge sieht, die sonst niemand sehen kann, hält Schrempp immer noch für einen herausragenden Unternehmer. Der überwiegenden Mehrheit galt er bereits seit längerem als egomanischer “Manager des Misserfolgs”, als tölpeliger “Rambo”, der “alles versiebt”. Die renommierte “Business Week” kürte ihn 2004 zum “Schlechtesten Manager des Jahres”. Quelle: Spiegel
Der nun abgetretene Vorstandschef galt unter Anlegern als größter Wertvernichter im Deutschen Aktienindex Dax und wurde auf Aktionärsversammlungen des öfteren heftig attackiert. Auf sagenhafte 3,7 Milliarden Euro taxierten die Händler den Wert von Jürgen Schrempp, Vorstandschef von DaimlerChrysler, des größten deutschen Unternehmens. Allerdings bewerteten die Börsianer damit nicht die Qualitäten von Schrempp. Sie bejubelten vielmehr seinen überraschend schnellen Abgang aus der Konzernführung.
Was wurde dem Regent zum Verhängnis?
Schrempp hinterlässt eine Reihe von Baustellen, von denen jede einzelne schon gereicht hätte, um einem durchschnittlichen Manager den Hals zu brechen.
- Gescheiterte Strategie: ob Mitsubishi oder EADS - der schwäbische Traditionskonzern wählte seine Märkte und Partner ohne Bedacht.
- Mercedes-Benz: Qualitätsprobleme nagen am Image der Nobelwagen. Es gibt massive Überkapazitäten, insbesondere im Werk Sindelfingen, das jedoch durch einen Beschäftigungspakt nur bedingt Möglichkeiten zur Anpassung hat.
- Smart: ob der Smart, aufwendig entwickelt, jemals in den Mengen abgesetzt wird, um profitabel zu werden, ist äußerst unwahrscheinlich. Eine radikale Trennung von Smart hat Schrempp bislang nicht gewagt, sein Nachfolger könnte einen Schlußstrich ziehen.
- Maybach: die 400.000 Euro teure Luxuslinie der Mercedes Car Group entpuppte sich als Ladenhüter.
Hintergrund der Qualitätsprobleme
Aus dem schwäbischen Traditionskonzern wollte Schrempp eine Welt-AG schaffen, die auf allen Märkten der Welt fast sämtliche Nischen bedient. Zwischen 1995 und heute explodierte das Angebot an neuen Fahrzeugen mit Stern auf dem Kühler geradezu. Aktuell hat Mercedes 17 Baureihen im Angebot, wobei die kommende R-Klasse sowie die extrem leistungsstarken Versionen des hauseigenen Tuners AMG noch gar nicht extra gezählt sind. Allerdings blieb, wohl auch weil zu viele Autos zu schnell entwickelt wurden, die Qualität auf der Strecke.
Mittlerweile wird gar gefrotzelt, Mercedes-Benz würde besser gedient sein, wenn es für seine Karossen Toyota-Parts verwenden würde. Ein kleines Fundstück im Spiegel (hier in Anlehnung an die Computerbranche, in der nun Apple neuerdings Intel-Chips für seine Rechner vewendet):

Intel? Igitt! Steve Jobs hat seine Gemeinde verraten! “Intel inside, das war immer der Feind. Und jetzt ist im Apfel der Wurm drin. Das ist, als würden Mercedes Fahrzeuge plötzlich mit Toyota-Innenleben ausgeliefert.

Ich meine, würde man einen Mercedes mit Toyota-Technik kaufen?

Auf jeden Fall!
Fokus auf das Triviale daheim
Die vergangenen zehn Jahre unter dem Vorstandschef Jürgen Schrempp waren für Mercedes die wohl turbulentesten und vor allem schwierigsten seit Bestehen der ältesten Automobilmarke der Welt. Schrempps Vision von der Welt-AG ist Geschichte. Die Beteiligung an dem japanischen Autobauer Mitsubishi beispielsweise ist gescheitert. Im vergangenen Jahr stieg DaimlerChrysler aus, nachdem sich der marode Hersteller als kaum sanierungsfähig erwies. Auch die Zusammenarbeit mit dem koreanischen Huyndai-Konzern löste Daimler wieder auf. Stattdessen wird der Fokus auf die kleinen Probleme vor der eigenen Haustür in der Zukunft bedeutend sein für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Davon kann sich DaimlerChrysler eine Scheibe von Toyota abschneiden. Bei Toyota ist zwar die Kriegskasse für mögliche Akquisitionen randvoll, aber dennoch konzentriert sich der japanische Autobauer auf die trivialen Dinge für Qualitätssicherung innerhalb der eigenen Fabrikhallen. Weniger spektakulär, aber weit wichtiger…
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