Personalstrategie westlicher Firmen in Japan: Lernen von Jack Welch
March 23rd, 2005 at 04:40pm Alexander Müller
Eine weit verbreitete Meinung unter Geschäftsleuten ist, dass man mit Englisch in Japan gut über die Runden kommt. Dem ist aber nicht so!
Wer in Japan Geschäfte machen will, sollte unbedingt Japanisch sprechen können. Nicht nur für die Gespräche mit Geschäftspartnern ist die Beherrschung der japanischen Sprache von großem Nutzen. Insbesondere gilt es, gute Mitarbeiter einzustellen, und deren Qualifikation nicht allein anhand der Englischkenntnisse zu prüfen. Ein weit verbreiteter Fehler auch unter deutschen Firmen in Japan. Habe ich selbst während meiner Tätigkeit bei einem großen westlichen Automobil-OEM in Japan festgestellt: der Großteil der Mitarbeiter sprachen fast perfekt Englisch oder Deutsch, und haben in ihrer Jugend im Ausland gelebt und meist auch noch ein Germanistik- oder Anglistik-Studium absolviert. Das stimmte mich nachdenklich…
Westliche Manager ohne Japanischkenntnisse überbewerten Englisch-Kenntnisse ihrer Mitarbeiter
Ich kann nicht beurteilen, ob die Mitarbeiter der genannten Automobil-Firma mangelnde Kompetenzen in Methodenfächer hatten. Bei näherer Betrachtung fiel allerdings sofort auf, dass die Mitarbeiter hauptsächlich wegen ihrer Sprachkenntnisse eingestellt wurden, denn sie konnten nur so mit den Expat-Managern aus Deutschland kommunizieren, die selbst kein Japanisch sprachen.
Natürlich sollten zumindest einige Mitarbeiter als Liaison-Personen in ausländischen Unternehmen gute Fremdsprachenkenntnisse haben. Nichtsdestotrotz ist der alleinige Fokus auf gute Englischkenntnisse der falsche Weg. Die Mitarbeiter müssen nicht Geschäfte mit ihren Vorgesetzten in Deutschland oder Europa machen, sondern in Japan Produkte verkaufen.
Übrigens: der Manager von General Electric, Jack Welsh, hat in seinem Buch “Was zählt” zugegeben, dass seine Japan-Strategie bis zu den 1990er Jahren deshalb nicht erfolgreich war, weil er sich zu sehr von den Englischkenntnissen der Bewerber “blenden” liess, und daher die Prüfung anderer wichtiger Fähigkeiten insbesondere beim Sales-Personal vernachlässigte.
Mehr Locals einstellen und selbst Japanisch lernen!
Was lernen wir daraus? Ausländische Firmen müssen ihre Personalpolitik bzgl. der Einstellung von Locals überdenken, und sich von einer einseitigen Fokussierung auf Englischkenntnisse abwenden! Dafür wird dann allerdings ein Manager gebraucht, der in der Landessprache, und auch in der Muttersprache des Unternehmens sicher genug ist, um sich mit der Zentrale abzustimmen und gleichzeitig die lokalen Mitarbeiter angemessen zu führen… also ein Aufruf an die Manager in Japan: “Lernt doch bitte Japanisch!”
Best Practices sind hier meiner Meinung nach in Japan: Bosch & IBM
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